Die aktuelle Sozialerhebung
des Deutschen Studentenwerkes ist mal wieder relativ aufschlußreich.
Die Erhebung zeigt einmal mehr wie stark hierzulande sozial selektiert
wird,
doch das soll hier nicht mein Thema sein. Mein Thema an dieser Stelle sind
auch nicht die Ergebnisse zu Familienstand (rund die Hälfte aller männlichen
Studenten sind Ѕingles, etwas mehr als ein Drittel aller Frauen, verheiratet
sind rund 5%), Kindern (5% aller Studierenden haben ein Kind, mit Ende 20
hingegen 10% aller Studenten und 19% aller Studentinnen), Studienortwechseln
(15% wechseln während des Erstѕtudiums mindestens einmal den Studienort),
sondern die Studienfinanzierung.
Im Schnitt verfügen Studenten über 770€ pro Monat, nominal hat sich die Höhe
der Einnahmen im Vergleich zu 2003 kaum verändert. Inflationsbereinigt ist
damit allerdings ein fünf prozentiger Verlust an Kaufkraft verbunden. Es
gibt eine hohe Streuung der Einnahmen bei den einzelnen Studierenden.
Der Anteil finanziell nicht adäquat ausgestatteter Studierender liegt bei
22% (BAföG Höchsatz als Bemessungsgrundlage) bzw. 33% (Rechtssprechung).
Die drei Haupteinahmequellen sind weiterhin:
Elternhaus, BAföG und (Neben)job:
- 90% aller Studenten werden von Ihren Eltern unterstützt.
Im Mittel mit 448€. Etwa 13% aller Studierenden bestreiten allein aus
diesen Einkünften ihren Lebensunterhalt. Bezogen auf diese Gruppe
beträgt die durchschnittliche Unterstützung 659€ im Monat.
- 60% der Studenten verdienen durch Arbeitsverhältnisse Geld.
Im Mittel 308€/Monat. Rund 5% der Studenten finanzieren sich ihr
Studium vollständig selbst. Der monatliche
Durchschnittsverdienst dieser Studenten liegt bei 867€.
- 2% aller Studenten finanzieren sich nur durch das BAföG, der Förderungsbetrag
dieser Gruppe beläuft sich im Mittel auf 485€. Ein großer Teil dieser Studenten
wohnt bei den Eltern. Werden die Mietaufwendungen berücksichtigt, betrügen die
Einnahmen im Schnitt 561€.
Die BAföG-Förderungsquote beträgt derzeit 23,2% aller Studenten bzw. 32,2% aller
Anspruchsberechtigten.
- Fast 3% finanzieren das Studium über Kredite, womit der Anteil der
Kreditfinanzierung im Vergleich zu 2003 deutlich gestiegen ist. Dieser Anstieg
ist auf zunehmende Inanspruchnahme von Bildungskrediten durch die KfW
zurückzuführen.
- 2% erhalten Stipendien.
Die Einschätzung der Studenten ob die Finanzierung ihres Studiums sichergestellt
ist hat sich verändert. 2003 antworteten noch 27% aller Ѕtudenten aus der Gruppe
der Studenten mit dem niedrigsten SES das sie dies annehmen. In der
aktuellen Erhebung sind dies nur noch 20%. Ein signifikanter Unterschied. Es
bleibt abzuwarten ob dies Auswirkungen auf die Bereitschaft hat, ein Studium
aufzunehmen.
Interessant fand ich auch folgendes: lediglich 2,5% aller Studiengänge werden
als Teilzeitstudiengänge angeboten. Die Zahl der Studenten die de
facto ein Teilzeitstudium betreiben ist deutlich größer. Sie liegt bei etwa
einem Viertel aller Studenten. Daraus resultiert, dass der
durchschnittliche Studienaufwand unter den Normwerten liegt. So
liegt zum Beispiel bei den Studenten die 20Std./Woche arbeiten, der
durchschnittliche Zeitaufwand für das Studium 10 Stunden unter den
Normwerten. Der Trend zum Teilzeitstudium hat sich fortgesetzt.
Seit 1990 hat sich der Anteil der Teilzeitstudenten ungefähr verdoppelt.
Fast jeder zehnte Studierende studiert Vollzeit bei gleichzeitigem hohen
Erwerbsaufwand. Diese Gruppe hat im Durchschnitt eine 60-Stunden-Woche. Dieser Anteil der
Studierenden kann mit ca. 23h Wochenarbeitszeit als teilzeitbeschäftigt gelten.
Der durchschnittliche Studienaufwand pro Woche liegt bei dieser Gruppe
deutlich unter dem der anderen Gruppen. Leider werden die Studienleistungen
nicht erfasst. Ich wäre gespannt in weit dies mit geringen Studienleistungen
korrelierte.
Eine weitere Entwicklung mag in diesem Zusammenhang ebenfalls von Interesse
sein: die Vergütung die Studenten mit ihren Jobs erzielten hat sich signifikant
verschlechtert. Sie liegt derzeit bei im Schnitt 9€/Stunde (10€ in 2003) bei
Studenten die sich im Erststudium befinden, und bei 12€/Std (15€ in 2003)
bei Studenten in postgradualen Studiengängen. Auch hier bleibt abzuwarten ob
dies ein Trend ist der angesichts steigender Lebenshaltungskosten zu einem
höheren Maß an Erwerbstätigkeit führen wird (sofern dieses im Rahmen von
Vollzeit-Bachelor-Studiengängen überhaupt möglich sein wird). Das die
Erwerbsquote insgesamt gesunken ist, mag auf die geringere Zahl an
Langzeitstudenten, einen gestiegenen Anteil von Studierenden aus sozial
höheren Schichten und der gestiegenen finanziellen Unterstützung der
jüngeren Studenten durch die Eltern zurückzuführen sein.