Samstag, 4. August 2007Gegenaufklärung am Beispiel KreationismusVerwandte Links:Trackbacks
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Ich bin aber ohnehin der Meinung dass es Zeit ist den Atheismus zu radikalisieren. Will meinen: Atheismus muss dem Staat verschrieben werden. Ein Politiker, der seine religiöse Überzeugung in die Ausführung seines Amtes einbringt, gehört gefeuert. Die Trennung von Staat und Religion muss absolut werden. Klar wäre es gut, wenn Religion und Staat geschieden wären. Aber der Wunsch alleine, es möge so sein, wird nicht dazu führen. Stimmte Eure These, dann stellte sich m.E. auch die Frage warum gerade die USA, ein Land in dem sich mehr als die Hälfte der Bürger nicht vorstellen könnten, einen Atheisten zum Präsidenten zu machen, nach wie vor eines der wirtschaftsstärksten Länder sind. Die USA sind ein Musterbeispiel dafür, wie sehr es auch Ländern mit einer im wesentlichen sehr religiösen Bevölkerung, gelingen kann, Hochtechnologieland zu werden und zu bleiben. Die einzige Bedingung dafür ist letztlich, dass mehrheitlich akzeptierte religiöse Dogmen keine technologisch prohibitive Wirkung haben. Diese Frage wird, auch und insbesondere in den USA, auch in den nächsten Jahrzehnten interessant werden, nämlich in dem Maße, in dem Biotechnologien weitere Bedeutung erringen werden. Ob es dann aber nur eine "Front" geben wird, "Biotech-Beführworter vs Religiöse", wage ich zu bezweifeln. Euphorische Artikel zur "grünen Zukunft", wie etwa jener aktuelle Essay Dyson Freemans in der New York Review dürften auch manchem beinharten Atheisten sehr aufstoßen. (Ich fand ihn gefährlich naiv und ziemlich unter dem üblichen NYRB-Niveau). Ein weiterer Einwand, liebe Lisa Rosa, betrifft die *Sinn-Frage*. Ich persönlich halte nur wenig von Dichotomien a la "sinnloses Leben" versus "sinnerfülltes Leben". Denn so ist es ja nicht. Die Angelsachsen sprechen weniger von der Sinn-Suche als davon, dass etwas Sinn macht. Dies ist eine Sichtweise, die mir viel sympathischer ist, da man nicht länger in tiefen, trüben Gewässern Sinn suchen muß und wohlmöglich keinen findet. In Wahrheit ist es doch vielmehr so, dass wir so viel oder so wenig Sinn haben können wie wir schaffen können oder zu schaffen in der Lage sind. Wo ist der Unterschied ob dem Dasein ein Sinn durch einen Ersten Beweger gegeben wird oder durch durch uns selbst? Ist die Qualität eines Sinnes der quasi mit dem "Anfang der Welt" in die dieselbe gekommen sei ein höherer? Die "Sinnlosigkeit alles Daseins" ist nicht das Problem des Atheisten, sie ist m.E. eher das Problem von Menschen, die z.B. einem Nietsche zu viel Relevanz beimessen oder aber von solchen, die Probleme mit einem empfundenem Zuviel oder Zuwenig an Selbstbestimmtheit bzw. Fremdbestimmtheit zu kämpfen haben. Deshalb sollte man sich m.E. hüten, die Attraktivität eines aufgeklärten Weltbildes ohne Not durch negative Zuschreibungen zu schwächen. Last but not least ein letzter Einwand: Ich glaube nicht, dass die Auseinandersetzung notgedrungen zwischen religiösem Weltbild hier und einem agnostischem oder atheistischem Weltbild dort stattfinden muß. Probleme macht jede Form der Religiösität (wie auch jede Form der Areligiösität) erst dann, wenn die religiösen Werte den Wert des Menschen an sich in Frage stellen. "Mörderische Konsequenzen" hängen also m.E. weniger an obskurantistischen Weltbildern, denn an mangelnder humanistischer Gesinnung. Ich bin überzeugt davon, dass man letztere auch mit weniger aufgeklärten Weltbildern haben kann. Und umgekehrt: ich bin kein großer Freund von Adorno, Arendt und Co, aber es ist ihr wichtiges Verdienst darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass die Aufklärung allein eine ziemlich boshafte Fratze haben kann. Ob nun de Sade oder Stalin: Areligiösität hat man Humanität ersteinmal nichts zu tun. Das prognostizierte Absterben der gesellschaftlichen Bedeutung von Religion so platt direkt an den konkreten wirtschaftlichen Erfolg zu koppeln, halte ich für ganz falsch. Eine Art Küchenökonomismus sozusagen. Aber ich habe die Vorstellung, daß wenn allen Menschen die Bedingungen gesichert sind, in Frieden und mit problemlos erfüllten Grundbedürfnissen ihren je eigenen Lebenssinn konstruieren und leben zu dürfen und zu können, daß sich dann Religion ziemlich erübrigt und nur noch als Gegenstand historischen Interesses bestehen wird. Ein solcher weltgesellschaftlicher Zustand des "jedem nach seinen Bedürfnissen" hieß bei Marx Kommunismus und ist nach dessen Vorstellung ganz und gar nicht ohne hoch entwickelte Wirtschaft zu erreichen! Sie helfen zu unterscheiden in Gut/Böse, Wahr/Falsch, Schön/Häßlich und vereinfachen durch ihre bipolar geprägten Anschauungen. Bildung mag das Mittel der Wahl sein um die Bedeutung religiöser Weltanschuungen zu reduzieren (insb. in den Punkten der Wahrheitssuche, aber ggf. auch in der Moral), aber die Geschichte und Gegenwart zeigt m.E. auch, dass Religiösität und Bildung sich nicht zwangsläufig gegenläufig verhalten und das die Gleichung so doch etwas einfach wäre. Noch viel weniger aber überzeugt mich die marxistische Vorstellung, dass die Sicherstellung von Frieden (hier fangen die Probleme doch schon an, meint man damit nicht nur die Abwesenheit eines eines echten Krieges!) und die Erfüllung der Grundbedürfnisse Religion erübrigen würde. Wie überhaupt ich an das Ende der Geschichte nicht glauben mag... Ende der Geschichte? - Oh nein! Nach Marx ist alle Geschichte bislang Vorgeschichte gewesen. Die Geschichte der Menschheit begönne überhaupt erst mit dem Kommunismus ... Tja. Ein großer Freund der Gattung, ein Universalist und ein Visionär. Einer, der in großen Zeiträumen denken kann (Im Gegensatz zu fast allen seinen besch. Exegeten). Einer, der historisches Denken zum Prinzip analytischer Erkenntnis erhoben hat. (Nur sich selbst hat er nicht recht historisieren können. Das ist seine historische Gebundenheit.) Aber sonst: Bisher ohne Konkurrenz (njaa- vielleicht die Systemtheorie seit Luhmann). |
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