Es ist sehr erstaunlich wie sich Mentalitäten wandeln. Während noch
in der 80er-Jahren eine Volkszählung Massenproteste auszulösen
vermochte werden zunehmend mehr Überwachungsmaßnahmen angedacht als
jemals zuvor und das Volk schweigt.
Die Privatssphäre wird zu einem gefährdetem Gut und
der Staat selbst zur Bedrohung: Der Grundsatz, lieber zehn Schuldige nicht zu bestrafen, als
einen Unschuldigen zu bestrafen, kann für die Gefahrenabwehr nicht gelten.
,
meinte unlängst unserer amtierender Innenminister in einem
Stern-Interview.
Es ist erschreckend wie zunehmend Ängste instrumentalisiert werden
und damit eine Politik gemacht wird, die keine Verhältnismäßigkeit mehr
kennt. Besonders lächerlich ist in diesem Zusammenhang die große
Angst vor dem Terror. Bei
Jan fand ich z.B. letzte Woche einen interessanten Hinweis auf
einen Europol-Bericht, in dem zu lesen ist, dass es fast 500 Terroristenangriffe
in Europa in letzten Jahr gegeben haben soll (nur einer davon übrigens
islamistisch motiviert, rund 85% gehen auf das Konto von
Seperatisten in Frankreich und Spanien). In dem Bericht heißt es:
Despite the high number of terrorist attacks, the vast majority of
them resulted only in material damage and were not intended to kill.
Das was die Koalitionäre planen ist unverhältnismäßig und geht zu
Laster unbescholtener Bürger. Dazu muß man keine großen
Schreckensszenarien malen. Dazu bedarf es keiner Entwürfe, in denen
Putschisten die Macht ergreifen und die bestehenden Überwachungs- und
Sicherheitsapparate mißbrauchen. Die viel größeren, näheren,
realeren Risiken liegen woanders: in der Fehlbarkeit der Menschen,
die diese Überwachungstechnologien entwerfen und anwenden sollen.
Zentrale vernetzte Datenbanken sind inhärent unsicher. Designfehler
können fatale Hacks ermöglichen und
Fehlbedienung aber auch
gute Absichten dazu führen, dass sensible Daten wohlmöglich unlöschbar im
Netz aufzutreiben sind. Der aktuelle
Korruptionsfall im BKA und der schon fast fernsehreife Korruptionsskandal in Sachsen machen deutlich, dass auch der Mißbrauch innerhalb des Strafverfolgssystem ein realistisches und auch zu erwartendes Szenario ist.
Es ist zu bedauerlich, dass vielen Menschen in unserem Lande nicht klar ist, dass
Grundrechte (auch das auf Privatssphäre) Abwehrrechte sind. Auch und insbesondere
gegen den Staat!
Wer sich einen Überblick über die Aktivitäten verschaffen will, dem empfehle ich
eine Zusammenstellung
aktueller Zeit-Artikel zu diesem Thema.
Die Polizei verfolgt Briefträger und liest Briefe. Der Staat will den “Bundestrojaner”, liest aber schon längst mit. Der Überwachungsstaat scheint immer näher zu rücken, zwei Meinungen zum Thema. ...
Aufgenommen: Mai 27, 07:35
Nicht nur der Staat schnüffelt. Die privaten Unternehmen stehen dem in nichts nach. Allen voran natürlich
Aufgenommen: Mai 28, 21:57